Stress begünstigt Hautkrankheiten und Hautalterung

Probleme und Sorgen lassen bei vielen Menschen die Haut grau und stumpf, die Haare schlapp und dünn werden. Bei Dauerstress sprießen vermehrt Pickel und von zahlreichen Hauterkrankungen ist bekannt, dass sie bei psychischer Anspannung erstmals auftreten oder sich verschlechtern. Doch die Beziehung Psyche und Haut ist keine Einbahnstraße, der Hautzustand spiegelt nicht nur unsere Gemütsverfassung wieder, häufig ist es auch umgekehrt: Dann macht uns der Zustand unserer äußeren Hülle Stress. Wenn eine Hauterkrankung für die Umwelt sichtbar wird, kann das für den Betroffenen zu einer starken Belastung werden, auch, wenn die Probleme für die Umwelt nicht immer nachvollziehbar sind.

Was passiert bei Stress im Körper?

Wenn eine Prüfung ansteht, ein Vortrag droht oder ein Abschluss noch schnell fertig gestellt werden muss, versetzt das die meisten in Stress. Unser Körper reagiert auf solche Situationen mit einer sogenannten Stressreaktion, d.h. er spult ein Programm ab, das schon zu Urzeiten funktioniert hat, wenn die Steinzeitmenschen mit einem Bären kämpfen oder vor ihm fliehen mussten. Der Körper schüttet dazu blitzschnell das Stresshormon Adrenalin aus, welches den Blutdruck erhöht, die Atmung steigert und das Herz schneller schlagen lässt. Hält der Stress länger an, wird auch das Nebennierenrindenhormon Cortisol abgegeben. Dieses stellt Energie in Form von Zucker und Fettsäuren zur Verfügung, damit wir beim Kampf oder auf der Flucht länger durchhalten können. Meist war der Stress unserer Vorfahren nach kurzer Zeit vorbei und der Körper konnte wieder auf Normalbetrieb umschalten. Die Stresshormonpegel sanken, die Körperfunktionen normalisierten sich. Der Körper nahm durch diese kurzfristige Stresssituation keinen Schaden.

Dauerstress macht krank

Dauerstress hingegen kann krank machen. Nicht nur Herzinfarkt und Bluthochdruck treten häufiger auf, wenn die Stresshormone gar nicht mehr auf ein normales Level zurückgehen können, auch die Haut leidet. So kann Stress, wie das Ergebnis einer Studie der Ohio State University zeigt, die Wundheilung deutlich verzögern. Wunden, die den (freiwilligen) Teilnehmer mitten im Examensstress zugefügt wurden, benötigten 40 Prozent mehr Zeit zum Heilen, als während der Sommerferien. Doch auch bei anderen Hauterkrankungen gibt es eine Verbindung zu Anspannung und psychischen Problemen.

Stress und Hautalterung

Dauerstress lässt den Körper schneller altern – bis hinein in die letzte Hautzelle. Eine Studie hat gezeigt, dass Stress uns biologisch um bis zu zehn Jahre älter macht. Das kann man sehr gut an den Telomeren feststellen. Als Telomere bezeichnet man die Schutzkappen der Chromosome, die sich bei jeder Zellteilung verkürzen. Je älter ein Mensch ist, desto kürzer sind diese Telomere. Stress beschleunigt die Telomerverkürzung und somit auch die allgemeine körperliche Alterung. Personen, die unter Dauerstress leiden, zum Beispiel weil sie krank Kinder oder demenzkranke Angehörige pflegen müssen, weisen deutlich kürzere Telomere und dadurch ein höheres biologisches Alter auf als andere, die diesen Stressoren nicht ausgesetzt waren. Die biologischen Altersunterschiede betrugen bis zu zehn Jahre. Interessant war hier die wichtige Rolle der Stress-Wahrnehmung: Bei jenen, die sich am stärksten belastet fühlten, stellten die Wissenschaftler im Vergleich zu den wenig Gestressten eine vorzeitige biologische Alterung um etwa ein Jahrzehnt fest.

Auch Hormonspiegel unterliegen Stresseinflüssen

Selbst die Hormonspiegel unterliegen den Stresseinflüssen. Erhöhte Cortisol-Spiegel (resultierend aus chronischem Stress) führen dazu, dass in der Haut weniger Hyaluronsäure gebildet wird und sich Kollagenfasern zurückbilden.

Östrogene, Testosteron oder das Schlafhormon Melatonin sind Hormone, die uns länger jung aussehen lassen. Trotz ähnlicher Lebensumstände sind die Werte dieser Hormone bei älteren Menschen sehr unterschiedlich. Wissenschaftler der University Kalifornien in San Francisco fanden jetzt heraus, dass – neben ausreichend Schlaf und regelmäßiger Bewegung – vor allem ein guter Umgang mit Stress und regelmäßige Entspannungsphasen diese „Jugendlichkeitshormone“ auf einem hohen Level halten.

Stress und Akne

Hochzeit, Vorstellungsgespräch oder Date – immer wenn etwas wirklich Wichtiges ansteht, blüht die Haut und die Pickel sprießen. Nicht nur Jugendliche bemerken das, auch viele Frauen jenseits der Pubertät stellen bei Stress vermehrt Unreinheiten vor allem an Kinn und Schläfen fest. Zwar vermutete der renommierte Dermatologe Professor Albert Kligman bereits 1991 einen Zusammenhang zwischen der Erwachsenenakne und einer chronischen Stressbelastung, Mediziner stritten jedoch lange Zeit ab, dass psychische Belastungen zu Pickeln führen können. Doch Studien konnten jetzt nachweisen, dass die Haut unter Stress tatsächlich verstärkt zu Entzündungen und Unreinheiten neigt und dass es einen Zusammenhang zwischen der Ausschüttung von Stresshormonen und der Talproduktion der Haut gibt. Insbesondere Frauen in stressigen Berufen mit permanenter Anspannung leiden unter der Problematik der Akne tarda.

Chronischer Stress und männliche Hormone

Wissenschaftler vermuten deshalb, dass unter chronischem Stress vermehrt männliche Hormone produziert werden und dass das das Stresshormon Adrenalin die Wirkung dieser Androgene im Gewebe noch zusätzlich verstärken kann. Daneben produziert der Körper auch vermehrt Cortisol, welches die Talgproduktion ankurbelt. Gleichzeitig schwächen Stresshormone das Immunsystem und die Hautbarriere. Körpereigene Schutzfaktoren können nicht mehr ausreichend gebildet werden, Bakterien vermehren sich stärker

Stress und Haarausfall

Es gibt inzwischen eine ganze Reihe Studien, die die Zusammenhänge zwischen Stress und Haarausfall gut belegen. Haarwurzeln sind von einem Netz an Nervenfasern umgeben. Über Nervenbotenstoffe, so genannte Neuropeptide können emotional belastende Ereignisse somit direkt auf die Haare einwirken.  Die Zusammenhänge lassen sich auch im Tierversuch nachweisen: Dauerstress führt bei Mäusen zu Haarausfall. Werden die Mäuse Stressbelastungen ausgesetzt,  verkürzt sich dadurch die Phase ihres Haarwachstums. Gleichzeitig nehmen Entzündungsprozesse zu, die die Haarwurzeln schädigen. Blockiert man die Stressreaktion durch bestimmte Medikamente, wachsen die Haare wieder. Allerdings sind diese Mittel noch nicht zur Behandlung des Haarausfalls zugelassen. Derzeit kann nur erfolgreicher Stressabbau den Haarausfall stoppen.

Psychische Verfassung

Doch auch die psychische Verfassung lässt sich manchmal an den Haaren ablesen. Wenn es uns nicht gut geht, sehen auch die Haare oft strähnig und kraftlos aus. Doch werden Haare unansehnlich, wenn wir uns schlecht fühlen oder fühlen wir uns schlecht, weil die Haare nicht richtig liegen? Beides ist richtig. Der Haarzustand wirkt sich natürlich auf unsere Stimmung aus. Schönes Haar macht gute Laune, sind die Haare aber mal nicht in Form, fühlen wir uns gleich schlechter. Aber auch umgekehrt kann sich die psychische Verfassung auf den Zustand der Haare auswirken. Man könnte sagen: „Wenn wir den Kopf hängen lassen, hängen auch die Haare.“ Gut beobachten lässt sich der Einfluss der Psyche auf das Haarwachstum bei Menschen mit manischen Depressionen. Bei dieser Erkrankung wechseln sich euphorische Zustände (manische Phasen) mit Zeiten tiefer Traurigkeit (depressive Phasen) ab. Während der depressiven Phase werden die Haare innerhalb kürzester Zeit spröde, struppig und glanzlos. Wechselt der Gemütszustand in die manische Phase, kommen auch die Haare innerhalb kürzester Zeit wieder in Form, werden glänzend und füllig.

Stress und Schuppenflechte

Der Zusammenhang zwischen psychischer Belastung und dem Ausbruch von Hauterscheinungen ist vor allem für die Schuppenflechte (Psoriasis) gut belegt. Es gibt eine ganze Reihe Hinweise, die vermuten lassen, dass das erste Auftreten oder auch neue Schübe durch Stress ausgelöst werden können. Solche Stressoren können Arbeitsplatzverlust, Trennung oder Operationen sein. Ein bis zwei Wochen später blüht plötzlich die Haut. Während des Bosnienkriegs trat die Schuppenflechte bei Soldaten an der Front deutlich häufiger auf, als bei Personen, die weniger in die Kriegsgeschehnisse einbezogen waren.

Stress und Urticaria (Nesselsucht)

Stress und psychische Belastungen wurden von mehr als 10% der Patienten als Hauptursache einer Nesselsucht, einer mit juckenden Quaddeln einhergehenden Hauterkrankung angegeben. Mehr als die Hälfte der Patienten berichtet, dass Stress neue Schübe bzw. eine Verschlechterung des Hautzustandes auslöst. Kein Wunder, dass zahlreiche Studenten vor dem Examen unter den lästigen Quaddeln leiden. Werden Patienten, die zu Nesselsucht neigen, in Stresssituationen gebracht, lässt sich bei ihnen dadurch ein neuer Quaddelschub auslösen.

Was kann man gegen Stress tun?

Zahlreiche Kliniken bieten bei Hauterkrankungen neben der schulmedizinischen Therapie auch Entspannungskurse und Stressmanagementseminare an, denn die Zusammenhänge zwischen der Entstehung verschiedenen Hauterkrankungen und einer Stressbelastung sind inzwischen gut belegt. Doch dem Stress im Alltag aus dem Weg zu gehen, ist eine der schwersten Übungen, denn in der Regel sind die meisten in Beruf und Familie gleich mehrfachen Belastungen ausgesetzt. Versuchen sie, Strategien zu entwickeln, um dem Stress im Alltag wirkungsvoll zu begegnen. Holen Sie sich Hilfe durch Profis, wenn Sie das alleine nicht schaffen. In Stressmanagementseminaren kann man lernen, mit den Belastungsfaktoren besser zurechtzukommen. Freunde treffen, Lachen, auch mal Nein sagen und jeden Tag positiv abschließen sind weitere Möglichkeiten, dem Stress distanzierter zu begegnen.

Quellen

Dalgard FJ, Gieler U, Tomas-Aragones L et al (2015) The Psychological Burden of Skin Diseases: A Cross-Sectional Multicenter Study among Dermatological Out-Patients in 13 European Countries. Journal of Investigative Dermatology 135 (4):984-991 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0022202X15371797

Evers AWM, Verhoeven EWM, Kraaimaat FW (2010) How stress gets under the skin: cortisol and stress reactivity in psoriasis. BJD 163 (5): 986-991. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/j.1365-2133.2010.09984.x

Kiecolt-Glaser JK, Marucha PT, Mercado AM et al. (1995) Slowing of wound healing by psychological stress. Lancet 346 (8984):1194-1196. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0140673695928995#!

Jagmag T, Tirant M, Lotti T (2017) Link between cutaneous infection, stress and depression. J Biol Regul Homeost Agents. 31(4):1037-1041. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29254311

Malhotra S K, Mehta V (2008) Role of stressful life events in induction or exacerbation of psoriasis and chronic urticaria. Indian J Dermatol Venereol Leprol 74:594-9 http://www.ijdvl.com/article.asp?issn=0378-6323;year=2008;volume=74;issue=6;spage=594;epage=599;aulast=Malhotra