Strahlend aussehen mit einer gesunden Darmflora

Weniger Falten, strahlender Teint und eine knackige Figur – der Schlüssel dazu liegt im Darm. Unser Verdauungstrakt hat in den vergangenen Jahren einen erstaunlichen Karrieresprung gemacht, der ihn von einem unterschätzten Organ zum neuen Superstar des menschlichen Körpers beförderte. Zu verdanken hat er diesen Aufstieg vor allem den 100 Billionen Mikroorganismen, die ihn bewohnen und die ganz Erstaunliches leisten. Inzwischen weiß man, dass sich die Darmflora, die heutzutage eher als Mikrobiom bezeichnet wird, um unsere Gehirngesundheit und das Immunsystem ebenso verdient macht wie um Figur und Blutzuckerspiegel. Neu ist jedoch, dass der Darm zwar nicht unbedingt sexy ist, uns aber dennoch attraktiver macht. Denn der lange Arm der Darmflora reicht weit über die Körpermitte hinaus und beeinflusst mit zahlreichen Hormonen, Botenstoffen und Vitaminen auch den Zustand von Haut und Haaren.

Unser Mikrobiom produziert Beautyelexiere

Das Mikrobiom ist nämlich in der Lage, Substanzen zu produzieren, die wir eher in der Gesichtspflege oder in Lifestyleprodukten vermuten würden. Hyaluronsäure, Ceramide, Milchsäure, Antioxidantien und UV-Schutz-Faktoren werden von der Kosmetikindustrie eingesetzt, um die Hautalterung zu verzögern, Falten aufzupolstern und den Teint zum Strahlen zu bringen. Diese Beautyelixiere kann aber auch die gesunde Darmflora herstellen und uns damit ganz nebenbei hübscher und optisch jünger machen. Dabei hat jeder Mikroorganismus seine eigenen Spezialgebiete.

Kosmetikstudio im Darm

In einer koreanischen Studie erhielten die Probanden drei Monate lang entweder eine Nahrungsergänzung mit dem Milchsäurebakterium Lactobacillus plantarum oder ein Plazebo. Das Ergebnis erfreut sicher alle Menschen jenseits des 40. Geburtstags: Alleine durch die Einnahme dieses probiotischen Keims verbesserte sich die Feuchtigkeitsversorgung der Haut deutlich, die Hautelastizität stieg um mehr als 20 Prozent an. Und das Überraschendste: Nach zwölf Wochen hatten die Teilnehmer messbar weniger Falten, während sich in der Plazebogruppe der Hautzustand nicht veränderte.

Sensible Haut

Doch damit ist das Potenzial probiotischer Bakterien noch lange nicht ausgeschöpft. Sensible, überempfindliche Haut ist ein Phänomen, an dem sich Hautärzte und Kosmetikhersteller die Zähne ausbeißen. Jeder dritte Erwachsene leidet in Deutschland darunter. Doch nach zwei Monaten Therapie mit Lactobacillus paracasei spannte und juckte die Haut der Teilnehmer einer französisch-schweizerischen Studie nicht nur weniger, sondern reagierte auch kaum noch gereizt, wenn die Wissenschaftler den Chiliwirkstoff Capsaicin auftrugen, den wir normalerweise in durchblutungsfördernden Rheumasalben finden und der selbst robuster Haut zusetzen kann.

Antioxidantien für schöne Haut

Antioxidantien sind eine weitere Geheimwaffe der Kosmetikindustrie, denn sie schützen vor freien Radikalen, die Tag für Tag auf unsere äußere Hülle einwirken und sie schneller altern lassen. Dabei wird gerne vergessen, dass wir die Schutzstoffe nicht nur von außen, sondern auch von innen zuführen müssen. An der Berliner Charité konnte man nachweisen, dass Frauen mit einem hohen Antioxidantienspiegel im Blut jünger aussehen und weniger Falten haben als ihre schlechter versorgten Geschlechtsgenossinnen. Doch bisher wird die Rolle unserer Darmflora zu wenig berücksichtigt, wenn es um die Frage einer gesunden Ernährung und der Versorgung mit Schutzstoffen geht.

Polyphenole – erst nutzbar durch die Darmflora

Ein Großteil der Antioxidantien in unserer Nahrung zählt zur Gruppe der Polyphenole. Inzwischen weiß man, dass mehr als 90 Prozent dieser sekundären Pflanzenstoffe nicht, wie die meisten anderen Nährstoffe, schon im Dünndarm in den Körper geschleust werden können, denn unserem Verdauungstrakt fehlen die Werkzeuge, sprich „Enzyme“, um diese besonderen Wirkstoffe nutzbar zu machen. Deshalb gelangen sie fast unverändert in den Dickdarm. Und erst hier wird der kleinen Nahrungsbestandteil „Polyphenol“ durch die Arbeit der Keime für uns Menschen verfügbar. Ohne Bakterien, würden die meisten dieser Antioxidantien durch den Darm hindurchwandern und ungenutzt ins Klo plumpsen.

Schutz vor freien Radikalen

Denn selbst eine gesunde Ernährung kann offensichtlich nur im Zusammenspiel mit einer ausbalancierten Darmflora ihre volle Wirkung entfalten. Die bakterielle Unterstützung beim Schutz vor freien Radikalen lässt sich sogar messen: Nahmen gesunde Freiwillige, Leistungssportler oder Personen mit Allergien Bakterienstämme wie Lactobacillus casei, Lactobazillus rhamnosus oder Lactobazillus fermentum ein, so stieg das antioxidative Potential im Blut und in der Haut deutlich an. Und auch in Nahrungsmitteln leisten die Keime ganze Arbeit. Wird Milch (ob tierisch oder pflanzlich ist egal) mit Hilfe bestimmter Mikroorganismen zu Joghurt fermentiert, dann sind im Endprodukt deutlich mehr antioxidative Schutzstoffe enthalten als im Ausgangsprodukt.

Ernährungskurs gesunde Darmflora
Ernährungskurs Darmgesundheit

Die Darmflora schützt vor UV-Licht

Selbst vor Hautschäden durch Sonnenstrahlen sind wir besser geschützt, wenn im Darm alles gut läuft. Mäuse, die vor einer UV-Bestrahlung mit bestimmten Darmbakterien gefüttert wurden, bildeten deutlich weniger kollagenabbauende Enzyme und die Spiegel an freien Radikalen waren niedriger, als bei Nagern, die nur ein Plazebo erhielten. Und, was vielleicht besonders interessant war: Mäuse, die regelmäßigem unter dem Solarium „brutzeln“ mussten, aber gleichzeitig mit Bifidobacterium breve oder Lactobazillus plantarum versorgt wurden, entwickelten messbar und sichtbar weniger Falten. Ähnliches fand man auch bei menschlichen Probanden. Unter Keimschutz sank die Lichtempfindlichkeit und das hauteigene Immunsystem, dass durch UV-Licht normalerweise geschwächt wird, regenerierte sich schneller.

So pflegen Sie Ihre Darmflora

Doch das Kosmetikstudio im Bauch ist kein Selbstläufer. Wer den Darm zu Beautyzwecken nutzen möchte, kommt um eine gute Mikrobiompflege nicht herum. Und die funktioniert am besten mit Messer und Gabel. Fermentierte und vergorene Lebensmittel wie Kefir, Käse oder Sauerkraut liefern nützliche probiotische Mikroorganismen wie Milchsäurebakterien oder Bifidokeime direkt in den Verdauungstrakt. Doch nur rund zwei Prozent der Darmkeime lassen sich von außen zuführen. 98 Prozent unserer Darmbewohner sind so genannte Anaerobier, die beim Kontakt mit Sauerstoff eingehen.

Präbiotische Ballaststoffe

Deren Förderung benötigt eine andere Strategie. Das Zauberwort heißt „präbiotische Ballaststoffe“, die aber nur in einigen ausgewählten Nahrungsmitteln wie Lauchgemüse (Zwiebeln, Porree, Knoblauch), Hülsenfrüchten, Haferflocken oder eher exotischen Gemüsesorten wie Pastinake und Topinambur enthalten sind. Präbiotika füttern im wahrsten Sinne des Wortes die nützlichen Darmbakterien und fördern so die gesunde Entwicklung der Keime, die bereits im Darm leben. Wer die probiotischen „Beautykeime“ lieber über Nahrungsergänzungsmittel zuführen möchte, ist nach aktueller Expertenmeinung deshalb mit einem Synbiotikum, das sowohl unterschiedliche Bakterien als auch präbiotisches „Futter“ enthält, gut beraten.

Egal, wofür Sie sich entscheiden: Wenn es um unser Äußeres geht, sollte die Pflege der Darmbakterien den gleichen Stellenwert einnehmen wie die Pflege der Haut.