Sensible Haut? Darmbakterien helfen

Empfindliche, sensible, leicht reizbare Haut ist ein weit verbreitetes Phänomen und scheint ständig zuzunehmen. Für viele Verbraucher ist die Neigung zu Irritationen und Rötungen inzwischen offensichtlich eher die Regel als die Ausnahme. Als Grund für die zunehmend sensiblere Haut der Mitteleuropäer werden neben veränderten Umwelt- und Arbeitsbedingungen ein stärkeres Gesundheitsbewusstsein sowie psychosomatische Zusammenhänge angegeben. Neue Studien sehen auch einen Zusammenhang mit der Darmflora und den Darmbakterien. Bestimmte Milchsäurebakterien können offensichtlich die Haut widerstandsfähiger machen.

Sensible Haut – ein weit verbreitetes Phänomen

In einer Umfrage des Studiengangs Kosmetik und Körperpflege der Uni Hamburg gaben 44 Prozent der Frauen an, regelmäßig unter Rötungen, Juckreiz, Spannungsgefühl und Missempfindungen der Haut zu leiden. Bei den Männern waren es immerhin 30 Prozent, die ähnliche Beschwerden äußerten.  Die „Thüringer-Studie“, eine Untersuchung der Uni-Hautklinik Jena, wies nach, dass eine von drei Testpersonen bereits mindestens einmal mit Hautirritationen auf die Anwendung eines Kosmetikproduktes reagiert hat. Die beklagten Beschwerden reichten von leichtem Juckreiz und Brennen bis hin zu über Rötungen und Ekzemen. Die Ursachen für die Zunahme sensibler Haut, sind nicht bekannt, vermutet wird aber ein Zusammenhang mit verschiedenen Stoffen in der Umwelt und in der Körperpflege, aber auch mit unserem modernen Lebensstil. Was aber bekannt ist: Bei sensibler, zu Reizungen und Ekzemen neigender Haut ist die Hautbarriere nachhaltig beschädigen. Sie verliert dann wichtige Fette, wird durchlässiger und kann Feuchtigkeit schlechter speichern. Trockenheit und Irritierbarkeit nehmen zu.

Lactobazillus paracasei reduziert die Sensibilität

Doch dieses Seelchen von einer Haut lässt sich abhärten – wenn die richtigen Bakterien (Darmbakterien) es dabei unterstützen. Um das zu überprüfen, analysierte man zunächst bei 64 Testpersonen mit sensibler Haut mit Hilfe des so genannten Capsaicin-Tests das Ausmaß der Überempfindlichkeit. Capasaicin ist der Wirkstoff, der Chili seine Schärfe gibt, der für das Brennen im Mund und das Hitzegefühl im Bauch verantwortlich ist, wenn wir uns Thai Curry oder ein gut Gewürztes Chili con oder sin Carne schmecken lassen. Capsaicin ist auch der Wirkstoff, der Rheuma- und Wärmesalben zu ihrer Wirkung verhilft. Eine solche Salbe wurde auch bei den „dünnhäutigen“ Frauen angewendet und die Forscher beobachteten, wie schnell die Haut rot wurde oder zu brennen begann. Dann erhielt die eine Hälfte der Frauen acht Wochen lang täglich Kapseln mit dem Milchsäurebakterium Lactobacillus paracasei, die anderen bekamen ein Placebo.

Und als die Forscher nach zwei Monaten wieder die Wärmesalbe zückten, konnten die Teilnehmerinnen, die die probiotischen Bakterien erhielten, nur müde lächeln. Ihre Haut war viel widerstandsfähiger und weniger reizbar geworden und blieb trotz Chiliextrakt gelassen. Die Plazebo-Frauen hingegen reagierten unverändert heftig. Auch die Wasserspeicherung der Haut funktionierte mit Bakterienhilfe besser, der Feuchtigkeitsverlust sank und die Hautbarriere wurde wieder zu einer sicheren Grenze.

Quelle:

Gueniche A, Philippe D, Bastien P et al. (2014) Randomised double-blind placebo-controlled study of the effect of Lactobacillus paracasei NCC 2461 on skin reactivity. Benef Microbes 1;5(2):137-45. Darmbakterien.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/