Rosazea – wenn die Haut „blüht“

Als „Fluch der Kelten“ wird die Rosazea im Volksmund bezeichnet, denn sie betrifft besonders häufig hellhäutige, lichtempfindliche Menschen. Übersetzt bedeutet „Rosazea“ „Rosenblüte“. Doch auch diese wohlklingende Bezeichnung tröstet die Betroffenen nicht darüber hinweg, dass sie unter einer chronischen Hauterkrankung leiden, die bei jedem Dritten auch die Augen in Mitleidenschaft zieht. Die Rosazea zählt zu den häufigsten Dermatosen. Schätzungen zufolge leiden zwischen zwei und fünf Prozent darunter und damit ist sie sogar häufiger als die viel bekanntere Schuppenflechte. Mit Hilfe der richtigen Hautpflege, einem gesunden Lebensstil und Vermeidung so genannter „Triggerfaktoren“ lässt sich die Rosazea beruhigen.

Verlauf in mehreren Stadien

Unbehandelt verläuft die Rosazea in mehreren Stadien. Im ersten Stadium bemerken die Betroffenen „flush-artig“, also sehr plötzlich auftretende Gesichtsrötungen, die durch viele äußere Faktoren ausgelöst werden können. Die Haut fühlt sich dann heiß und gespannt an. Zu Beginn der Erkrankung klingen diese „Flushs“ nach kurzer Dauer wieder ab. Mit der Zeit bleiben die Rötungen im Nasen und Wangenbereich aber immer länger, teilweise Stunden oder Tage bestehen. In dieser Phase entwickeln sich oft auch erweiterte Äderchen, so genannte Teleangiektasien vor allem an den Wangen und im Bereich um Mund und Nase. Diese Erscheinung bezeichnet man auch als Couperose.

Stadium 2 – Pustelschübe

Im zweiten Stadium treten rötliche Knötchen und Pusteln auf, die an Aknepickel erinnern können. Mit der Zeit kommt es immer häufiger zu diesen „Pustelschüben“, die Haut verdickt sich allmählich. Im Gegensatz zur Akne findet man aber keine Mitesser (Komedonen). Allerdings gibt es auch Mischformen aus Akne und Rosazea. In diesen Fällen können Mitesser vorkommen. Die Abgrenzung fällt dann nicht immer leicht.

Stadium 3

Das dritte Stadium ist dann durch eine Vermehrung des Bindegewebes, Verdickung der Haut und Ausbildung großflächiger entzündlicher Knoten gekennzeichnet.

Stadium 4 – Rhinophyme

Bei jedem Zehnten tritt auch noch ein viertes Stadium auf. Das Bindegewebe der Nase vermehrt sich dann so stark, dass man von einer „Knollen- oder Pfundsnase“ spricht. Diese „Rhinophyme“ entwickeln vor allem Männer.

Da bei Rosazea auch eine Augenbeteiligung möglich ist (Entzündungen des Lidrandes, der Bindehaut, Hornhaut oder Regenbogenhaut (Iris)), sind regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt sehr wichtig.

Vielfältige Ursachen

Über die Ursachen der Rosazea ist wenig bekannt. Einige Untersuchungen deuten auf eine Regulationsstörung im Gefäß-, Lymph- und Nervensystem hin, die zu einer stärkeren Durchblutung und Temperaturerhöhung im Gesichtsbereich führt. Von anderen Wissenschaftlern werden auch allergische Reaktion auf Haarbalgmilben, ein Zusammenhang mit Magen-Darm-Erkrankungen, hormonelle oder genetische Faktoren diskutiert.

Zu viele Bakterien im Dünndarm

Häufig lässt sich bei Rosazea eine bakterielle Fehlbesiedelung des Dünndarms, ein so genanntes „SIBO-Syndrom“ nachweisen. Der Dünndarm ist, anders als der Dickdarm, normalerweise eher spärlich mit Mikroorganismen besiedelt. Breiten sich die Keime aber besonders stark auch in diesem Teil des Verdauungstraktes aus, dann tritt neben Darmbeschwerden oft auch eine Rosazea auf. Nachweisen lässt sich das SIBO-Syndrom durch einen Atemtest beim Internisten. Durch Einnahme eines bestimmten Antibiotikums lassen sich die Bakterien meistens recht schnell beseitigen und sehr häufig bessert sich dann auch der Hautzustand. Wichtig: Nach der Antibiotikatherapie sollte die Darmflora mit gesunden Bakterien wieder aufgebaut werden.

Triggerfaktoren ausschalten

Sicher ist, dass so genannte „Provokations- oder Triggerfaktoren“ wie Wärme, Hitze, Sonne, Alkohol, heiße Getränke oder scharfe Speisen einen Schub auslösen und den Hautzustand verschlechtern können. Selbst klimatische Reize wie Kälte oder Wind und sogar psychische Stresssituationen verträgt die Rosazeahaut schlecht. Sie sollten deshalb alles meiden, was das Gesicht stark erhitzt, reizt oder die Durchblutung anregt. Vorsicht ist deshalb auch beim Saunagang geboten.

Da UV-Licht besonders häufig zu einer Verschlechterung des Hautbildes führt, stellt ein geeigneter Sonnenschutz eine wichtige tägliche Basismaßnahme dar. Im Alltag ist ein gut verträgliches Produkt mit einem Lichtschutzfaktor zwischen 15 und 30 (je nach Lichtintensität und geplanter Aufenthaltsdauer im Freien) und einem Breitband-UV-A-Filter und möglichst auch einem Infrarot-Schutz meist ausreichend. Bei längerem Aufenthalt in der Sonne oder beim Urlaub in südlichen Ländern ist es sinnvoll, die Gesichtshaut zusätzlich durch einen Sonnenhut oder eine Schirmmütze vor UV-Strahlen zu schützen. Dann sollte der Lichtschutz auch auf Faktor 50 erhöht werden. Optimal ist ein Sonnenschutzprodukt mit einem physikalischen Lichtschutzfilter (Titandioxid) bzw. ein nicht fettendes UV-Schutz-Gel.

Da auch Kälte zu den Provokationsfaktoren zählt, ist es im Winter wichtig, die Haut mit Hilfe von Schals und Kälteschutzcreme zu schützen. Allerdings weisen Kälteschutzcremes meist einen sehr hohen Lipidgehalt auf. Deshalb muss man ausprobieren, ob die Produkte im Einzelfall vertragen werden. Um einen Hitzestau zu vermeiden, kann die Kälteschutzcreme beim Betreten geschlossener Räume vorsichtig mit einem Kosmetiktuch entfernt werden.   

Pflege und Kosmetikbehandlungen

Da die Haut der Rosazeapatienten sehr empfindlich reagiert, sollte bei Hautreinigung und Pflege auf möglichst hautschonende, reizlindernde, nicht zu stark rückfettende Präparate Wert gelegt werden. Alles, was die Durchblutung anregt und einen “Flush” auslöst, gilt es zu meiden. Hier ist eine gute Beobachtung der Haut wichtig, denn die „Trigger“ können individuell unterschiedlich sein. Prinzipiell kann alles, was die Haut erwärmt, kann bei Rosazea einen Schub auslösen.

Keine Peelings

Generell sollten auch Peelings vermieden werden, denn jede mechanische Belastung der Gesichtshaut kann die Durchblutung anregen und den Hautzustand verschlechtern. Vorsicht ist deshalb auch bei Behandlungen mit Frucht-Säuren geboten. Niedrig dosierte Fruchtsäure-Anwendungen unterstützen in Einzelfällen die Therapie. Wichtig ist es aber, mit einem sehr niedrig dosierten Produkt (zunächst maximal 2,5%) zu beginnen und dieses – je nach Verträglichkeit – nur einmal täglich anzuwenden. Produkte – sowohl Reinigung als auch Pflege – sollten mit den Händen und nicht mit einem Bürstchen aufgetragen.

Kosmetikprodukte für empfindliche Haut

Kosmetikprodukte für empfindliche Haut sind meistens eine gute Wahl, da sie nur wenige irritierende Inhaltsstoffe enthalten. Die Tagespflege sollte nicht zu lipidhaltig sein, oft werden kühlende Gels sehr gut vertragen.  

Bei Rötungen, Teleangiektasien und Couperose sind adstringierende („zusammenziehende“) Zusatzstoffe wie Rosskastanie oder Rutin die Mittel der Wahl. Sie wirken entzündungshemmend und erhöhen die Gefäßspannung.  

Vitamin C-haltige Produkte

Vitamin C-haltige Produkte werden bei Rosazea oft gut toleriert und wirken sich günstig auf den Hautzustand aus. Vitamin C hat entzündungshemmende Effekte und stärkt die erweiterten Blutgefäße. Auch im Pustelstadium kann man einen Versuch mit Vitamin C-haltigen Produkten machen

Make up

Make up oder Tönungscremes dürfen zum Abdecken verwendet werden, der Lipidgehalt sollte aber nicht zu hoch sein. Auffällige Rötungen sind gut mit grünem Concealer zu kaschieren. Oft bekommt das Abdecken der Rosazea-Pusteln dem Selbstbewusstsein gut, zum anderen schützen Make up und Tönungscremes auch vor Winterkälte und Sonne.

Ein grüntoniger Korrekturstift deckt – unter dem Make-up – die Rötung besser ab, als ein hautfarbener Concealer.

Fortgeschrittene Stadien

In fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung treten neben Rötungen und Pusteln auch Schwellungen (Ödemen) im Gesicht auf. Diese entstehen durch eine Verdickung des Bindegewebes und einer vermehrten Ansammlung von Gewebsflüssigkeit. Anstelle der klassischen Effleurage hat sich bei Rosazea die Massage nach Soebye bewährt. Durch diese gezielte Massage des Gesichts können der Lymphfluss angeregt und die Ödeme gelindert werden.

Auffällige Äderchen können beim Hautarzt mit speziellen Lasersystemen verödet werden.

Das können Sie selber tun

  1. Finden Sie Ihre individuellen Auslösefaktoren (Trigger), die zu einer Verschlechterung des Hautzustandes führen, heraus und meiden Sie diese konsequent.
  2. Bleiben Sie kühl: Tragen Sie nicht zu warme Kleidung, verzichten Sie auf Saunabesuche, drehen Sie die Heizung etwas herunter.
  3. Finden Sie eine Hautpflege, die Ihrer Haut guttut. Bei Rosazea sollte diese nicht zu lipidhaltig sein. Eine leichte Creme oder ein kühlendes, feuchtigkeitsspendendes Gel werden meistens gut vertragen.
  4. Legen Sie öfters kühle Kompressen auf die betroffenen Stellen. Sie können diese auch mit starkem, kühlen Schwarztee tränken – das beruhigt die Haut und lindert die Entzündungen.
  5. Verzichten sie auf Alkohol. Alkohol regt die Hautdurchblutung an und verschlechtert eine Rosazea – selbst kleine Mengen wirken sich ungünstig auf den Hautzustand aus.
  6. Meiden Sie scharfe Gewürze, auch diese regen die Durchblutung an
  7. Lassen Sie heiße Getränke wie Tee oder Kaffee etwas abkühlen, bevor Sie diese trinken
  8. Eine vorsichtige Lymphdrainage kann dazu beitragen, gestaute Gewebeflüssigkeit zu mobilisieren. Massieren Sie deshalb regelmäßig mit leicht kreisenden Fingerbewegungen Nase, Wangen und Stirn. Führen Sie diese Massage morgens und abends jeweils für etwa 3 Minuten durch.
  9. Lassen Sie Ihre Augen kontrollieren! Bei etwa jedem Dritten Rosazea-Patienten kommt es zu einer Mitbeteiligung des Auges, deren Ausmaß von einer leichten Entzündung bis hin zu schweren Augenschäden reichen kann. Wurde bei Ihnen eine Rosazea festgestellt, sollten Sie Ihre Augen von einem Augenarzt kontrollieren lassen.
  10. Verwenden Sie bei Bedarf ein deckendes Make up, eine Tönungscreme, Camouflage oder eine grüne Grundierung, um die Rötungen zu kaschieren und zu neutralisieren. Das ist bei Rosazea erlaubt und schützt auch die Haut vor äußeren Einflüssen.
  11. Reduzieren Sie Stress, lernen Sie Entspannungsverfahren wie Autogenes Training oder machen Sie Yoga
  12. Ernähren Sie sich ausgewogen mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten. Verzichten Sie auf Fertiggerichte und Fast Food.