Circadiane Kosmetik – Pflege nach dem Stundenplan

Unsere Haut unterliegt – wie auch andere Körperfunktionen – einem circadianen Rhythmus. Deshalb benötigt unsere Haut morgens eine andere Pflege als mittags oder abends. Wer die tageszeitlich unterschiedlichen Bedürfnisse kennt und berücksichtigt, kann die Pflege der Haut mit Hilfe der Circadiane Rhythmik optimieren.      

Der Rhythmus unseres Lebens

Wenn Sie einen Zahnarztbesuch planen, sollten Sie nach einem Termin am Nachmittag fragen, denn dann ist die Schmerzempfindlichkeit deutlich geringer als am Morgen. Schwierige Aufgaben erledigen Sie im Idealfall am Vormittag, denn gegen elf Uhr ist Ihre geistige Leistungsfähigkeit am höchsten. Die ideale Zeit für Sport ist zwischen 16.00 und 18.00 Uhr, denn jetzt arbeiten Herz und Lunge besonders effektiv. Die innere Uhr geht bei den meisten Menschen sehr exakt und steuert Tag für Tag unseren Lebensrhythmus (Circadiane Rhythmus). Erst, wenn Sie zum Beispiel durch Langstreckenflüge aus dem Takt gerät, wird uns ihre Bedeutung bewusst.

Tagsüber braucht die Haut Schutz

Auch unsere Haut unterliegt diesen Rhythmen – im Laufe des Tages verändern sich Ausstrahlung, Glanz und Erscheinungsbild. Eine Gruppe französischer Frauen gab im Rahmen einer Studie an, dass ihre Haut morgens um zehn Uhr am meisten strahle, nachts hingegen am unattraktivsten sei. Zwar steckt die „circadiane Kosmetik“, also eine Pflege, die sich an die innere Uhr (Circadiane Rhythmus) der Haut anpasst, noch in den Kinderschuhen. Wer aber den Stundenplan der Haut kennt und sich ein wenig danach richtet, kann die Pflege optimieren und unterstützt dadurch die Strahlkraft der Haut.

Tagsüber arbeitet die Haut vor allem am Schutz vor Umwelteinflüssen. In dieser Zeit ist die Abwehrfunktion am wichtigsten. Die Zellen der Lederhaut (Dermis), der Hautschicht, die mit ihren kollagenen und elastischen Fasern für Straffheit sorgt, sind am Tag besonders aktiv.

Das braucht Ihre Haut am Tag

Seren und Pflege mit Antioxidantien
Tagespflege mit UV-Schutz

Nachts sind reichhaltige Produkte wichtig

Nachts steht hingegen die Regeneration im Vordergrund. Die Hornzellen der oberen Hautschicht (Epidermis) teilen sich jetzt  besonders schnell. Temperatur und Durchblutung und somit die Nährstoffaufnahme sind in dieser Zeit um 25 Prozent höher als morgens oder nachmittags. Reichhaltige Cremes wirken deshalb nachts am besten – medizinische oder kosmetische Wirkstoffe gelangen dann besser in die Haut und können ihre Wirkung optimal entfalten. Das hat auch eine französische Studie gezeigt: Die Frauen wendeten eine wirkstoffhaltige Creme zu verschiedenen Tageszeiten an. Am Ende gaben sie übereinstimmend an, dass die Wirkung der Creme tatsächlich besser war, wenn sie vor dem zu Bett gehen aufgetragen wurde. Besonders deutlich waren diese Effekte bei sehr hellhäutigen Frauen nachzuweisen. Da auch der Wasserverlust der Haut nachts am größten ist, sollte die Nachtpflege zusätzlich Feuchtigkeit spenden und die Haut vor dem Austrocknen schützen. Abends sollte die Pflege, entgegen dem weit verbreiteten Reinigungsritual in den meisten deutschen Badezimmern, eher mild sein. Wird die Hautbarriere, der Schutzwall der Haut gegen äußere Einflüsse, in dieser Zeit durch zu intensive Reinigung oder häufiges Peeling gestört, dauert die Wiederherstellung deutlich länger als morgens oder nachmittags.

Am Mittag hingegen produziert die Haut doppelt so viel Talg und Fett wie zwischen zwei und vier Uhr nachts. Nachmittags kommen wir zudem leichter ins Schwitzen. Das ist durchaus sinnvoll, denn der Schweiß dient dem Aufbau der Hautbarriere und dem Schutz vor Umwelteinflüssen.

Das pflegt Ihre Haut in der Nacht

Der weibliche Zyklus beeinflusst den Hautzustand

Fast jede Frau weiß, dass die Haut sich auch sichtbar im Laufe des Menstruationszyklus verändert. Zwischen dem ersten und sechsten Tag des Zyklus, also während der Periodenblutung, benötigt die

Haut eine Extraportion Pflege, denn sie ist in dieser Zeit deutlich trockener. Pickel und Unreinheiten, die in der zweiten Zyklushälfte entstanden sind, klingen ab. Um den Eisprung herum, etwa am 14. Tag des Zyklus, ist der Teint besonders strahlend und rosig. Zahlreiche subtile Veränderungen lassen Frauen in dieser Zeit deutlich attraktiver wirken. So verändern sich die Gesichtszüge, sie werden in dieser Zeit weiblicher und weicher, die Lippen voller, die Haare glänzender, der Teint hellt sich leicht auf. Sogar auf Fotos lässt sich der Unterschied deutlich feststellen. 59 ungeschminkte Frauen wurden im Abstand von jeweils einer Woche fotografiert, gleichzeitig bestimmte man die aktuellen Östrogenspiegel im Blut. Die Bilder wurden dann einer Gruppe Männer und Frauen vorgelegt. Diese sollten sagen, auf welchem Foto die Frauen am besten aussahen. Ergebnis: Je höher der Östrogenspiegel einer Frau war, umso weiblicher, attraktiver und gesünder erschien sie den beurteilenden Männern wie auch Frauen. Am besten schnitten die Frauen somit zum Zeitpunkt des höchsten Östrogenspiegels ab, der gleichzeitig der Zeitpunkt des Eisprungs ist.

Vom 22. bis 26. Zyklustag lässt die Barrierefunktion der Haut nach, was sie auch empfindlicher gegenüber Sonnenlicht und Umwelteinflüssen macht – in dieser Phase ist sanfte Pflege angebracht.

So pflegen Sie die Haut nach deren Stundenplan

  • Abends und nachts können Schäden an der Hautbarriere nur schlecht repariert werden. Eine intensive Reinigung oder ein Peeling sollte deshalb erst morgens erfolgen.
  • Dennoch ist es abends unerlässlich, Make-up gründlich (aber sanft) zu entfernen.
  • Die Regeneration der Haut läuft nachts auf Hochtouren, Wirkstoffe lassen sich jetzt besonders leicht einschleusen – die richtige Zeit für Seren, Ampullen und reichhaltige Nachtcremes.
  • Die Zellen des Bindegewebes, die die kollagenen und elastischen Fasern bilden, sind hingegen tagsüber am aktivsten. Inhaltsstoffe, die die Regeneration des Bindegewebes unterstützen wie zum Beispiel Vitamin C sollten deshalb am besten zusammen mit der Tagescreme angewendet werden.
  • Am Mittag läuft die Produktion von Hautfett auf Hochtouren. Wer zu glänzender Haut neigt, sollte die Puderdose nicht vergessen und mittags noch mal nachpudern
  • Wer nachmittags unterwegs ist, sollte das Deo nicht vergessen, denn um diese Zeit läuft die Schweißproduktion auf Hochtouren

Quellen:

Law Smith, M. J., Perrett, D. I., Jones, B. C. et al. (2006). Facial appearance is a cue to oestrogen levels in women. Proc R Soc B 273, 135–140 https://royalsocietypublishing.org/doi/abs/10.1098/rspb.2005.3296

Mehling, A., Poly, W. (2006). Chronobiologie der Haut. Innere Uhr und Rhythmen der Haut. Pharmazeutische Zeitung 48. Circadiane. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-482006/innere-uhr-und-rhythmen-der-haut/